Nützliche Tipps für Einsteiger: Klettersteigschein in Ramsau am Dachstein

Steile Wände erklimmen, Orte entdecken, die sonst nur Gämsen und Steinböcke zu sehen bekommen und einfach inmitten der Natur sein – auch wer kein passionierter Kletterer ist, kann das beim Klettersteig gehen erleben. Trotzdem können schlechte Vorbereitung und falsche Ausrüstung zu lebensgefährlichen Situationen führen.  In Ramsau am Dachstein möchte man die Klettersteiggeher mehr für die Gefahren sensibilisieren und bietet nun einen Klettersteigschein an. Für nur 29 € kann man alle wichtigen Grundlagen erlernen. Rebekka hat sich für uns an den Felsen gewagt.

Es ist soweit: Gemeinsam mit ca. 10 Personen werde ich heute den Klettersteig „Kala“ erklimmen und mir damit den Klettersteigschein verdienen. Unten am Parkplatz geben uns Walter Walcher von der Bergwacht Ramsau erst einmal eine Einführung in die richtige Ausrüstung. Auf keinen Fall dürfen fehlen: Helm, Klettergurt und Klettersteigset. Vor allem auf den Helm wird gerne verzichtet. Dass das keine gute Idee ist, dürfen wir kurz nach dem ersten Anstieg live miterleben: Als weiter oben jemand ein paar Steine freitritt, wird einer unserer Begleiter am Kopf getroffen. Dank des Helmes bleibt nur der Schrecken und eine kleine Beule.

Ausrüstung anziehen und los geht’s!

Da wir als Anfänger einen kürzeren Klettersteig gehen, gehören zu unserer Ausrüstung sonst nur etwas zu trinken, Sonnencreme und Sonnenbrille. Empfehlenswert sind außerdem Klettersteighandschuhe, da man durch das Schieben der Karabiner am Seil schnell Schwielen bekommt. Nach dem obligatorischen Partnercheck kann es los gehen. Um zum Einstieg des Klettersteigs zu gelangen, müssen wir erst einmal ein ganzes Stück über ein Schuttfeld zum Felsen hinauf.  Los geht’s! Das erste Stück geht gleich steil am Felsgrat hinauf und ich denke an die Schaubergung am Tag davor. Da demonstrierte uns die Bergrettung mit einer lebensgroßen Puppe, wie ein Sturz am Klettersteig aussehen kann und wie sie die Verletzten bergen. Der unschöne Sturz ist uns allen in Erinnerung geblieben und die Warnung der Bergretter: Stürzen ist Tabu! Das Klettersteigset ist lediglich als absolute Notfallausrüstung gedacht.

Auf in luftige Höhen

Während die einen noch mit der richtigen Technik beim Ein- und Aushängen der Karabiner kämpfen, haben andere mit viel schwerwiegenderen Sorgen zu kämpfen. Die Höhe ist nicht Jedermanns Sache, vor allem, wenn man direkt in den Abgrund blickt. Und nach einem flacheren Stück wird es noch abenteuerlicher. Beim Flying Fox geht es an einem Seil eingehängt über eine tiefe Schlucht! Was für die einen ein großer Spaß ist, kann für andere blanker Horror sein. Wer nicht völlig frei von Höhenangst ist, sollte lieber die Finger vom Klettersteiggehen lassen, denn die Angst kostet viel Kraft und mindert die Trittsicherheit.

Wer Kraft spart, hält länger durch

Nach dem luftigen Erlebnis geht es erst einmal durch den Wald, wo keine Sicherung nötig ist, bevor es im letzten Teilstück nochmal richtig steil am Fels entlang geht. Unterwegs erhalten wir von unseren Begleitern der Bergrettung nützliche Tipps, um Kraft zu sparen. Wer sich beispielsweise mit den Beinen hochdrückt, statt sich mit den Armen hoch zu ziehen, spart jede Menge Kraft. Außerdem zeigt uns Tourismuschef Elias Walser, dass es sinnvoll sein kann, eine kurze Bandschlinge mit Karabiner dabei zu haben.  Damit kann man sich am Fixseil einhängen und nach hinten lehnen, um sich ein bisschen zu erholen.  Das Klettersteigset ist dafür nämlich viel zu lang und erschöpfte Klettersteiggeher bringen oft die Kraft nicht auf, sich selbst wieder hochzuziehen.

Nachdem wir auch das letzte Stück gemeistert haben, kommen alle wohlbehalten am Ausgang des Klettersteigs an. Nach einem kurzen Abstieg gelangen wir zur Sattelberghütte, wo es nicht nur einen Almdudler, sondern auch eine Urkunde gibt: Ich bin jetzt offiziell „Gipfelstürmerin“.

10 Tipps für sicheres Klettersteiggehen

  • Niemals bei schlechter Wettervorhersage in den Klettersteig gehen.
  • Nur mit geeigneter Ausrüstung in den Klettersteig.
  • Partnercheck vor dem Einstieg: Sitzen Klettergurt und Helm richtig? Ist das Klettersteigset richtig   am Gurt eingehängt?
  • Um Kräfte zu schonen, immer mit den Beinen hochdrücken und nicht an den Armen hochziehen. Die meisten Menschen müssen aus einem Klettersteig gerettet werden, weil ihnen die Kraft ausgeht.  
  • Überschätze nicht Deine Kräfte! Lieber mehrfach einfachere Klettersteige gehen bis man genug Sicherheit für die nächste Stufe hat.
  • Ein Karabiner bleibt immer eingehängt. Niemals beide Karabiner gleichzeitig aushängen, da sonst keine Sicherung mehr besteht.
  • Abstand halten! So wird im Falle eines Sturzes niemand mitgerissen.
  • Wer zusätzlich eine kurze Bandschlinge mit Karabiner dabei hat, kann sich am Klettersteig auch mal „hängen lassen“ und ein wenig ausruhen.
  • Mit Handschuhen geht es leichter.
  • Sollte unterhalb von Dir jemand gerettet werden, auf keinen Fall weiter gehen! Dadurch könnten Steinschläge ausgelöst werden, die die Retter unnötig in Gefahr bringen.

Nicht vergessen:

  • Helm
  • Klettergurt
  • Klettersteigset
  • Festes Schuhwerk
  • Klettersteig-Handschuhe
  • Genügend Flüssigkeit
  • Sonnencreme

 Alle Informationen zum Klettersteigschein findet ihr hier.

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